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Recht / Arbeits-/Sozialrecht 
Dienstag, 29.09.2020

Unfallversicherung muss trotz Vorbelastung haften

Wenn ein Arbeitnehmer in Folge eines Arbeitsunfalls eine posttraumatische Belastungsstörung erleidet, hat er Anspruch auf Unterstützung durch die gesetzliche Unfallversicherung. Dieser besteht auch, wenn sich diese psychische Störung durch eine Serie von traumatischen Einwirkungen aus dem Privatleben entwickelt hat – vorausgesetzt, das Ereignis bei der Arbeit hebt sich von den vorherigen Erlebnissen derartig ab, dass ihm eine wesentliche Bedeutung zukommt. So entschied das Sozialgericht Stuttgart (Az. S 1 U 1827/17).

Der Kläger war Zugchef in einem ICE, als der Zug zwei Menschen erfasste und tödlich verletzte. In Folge der verstörenden Eindrücke wurde eine akute Belastungsreaktion bei dem Mann diagnostiziert. Er konnte fortan nur noch als einfacher Zugbegleiter arbeiten, aber nicht mehr als Zugchef. Die Unfallversicherung stellte eine akute Belastungsreaktion, eine Arbeitsunfähigkeit von fünf Tagen sowie eine Behandlungsbedürftigkeit von zehn Monaten fest. Darüber hinaus lehnte sie aber einen Anspruch auf Leistungen ab. Der Mann widersprach dem Bescheid, woraufhin die Unfallversicherung eine ärztliche Stellungnahme einholte. Darin wurde festgestellt, dass der Bahnmitarbeiter unabhängig vom Unfall auch durch Ereignisse im Privatleben psychisch belastet gewesen sei.

Das Sozialgericht entschied auf Basis mehrerer Gutachten, dass hier eindeutig eine posttraumatische Belastungsstörung aufgrund des Zugunglücks vorliege. Der Kläger sei zwar durch frühere Ereignisse bereits psychisch belastet gewesen, der Unfall sei aber von herausragender Bedeutung gewesen. Aus diesem Grund spielten die vorangegangenen Belastungen keine entscheidende Rolle.

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